Der Zauber des Uebermenschlichen: Fantasy und Science Fiction

Ich gucke Star Trek, alle verschiedenen Serien. Natürlich auch Stargate, Battlestar Galactica und Andromeda, ganz zu schweigen von Farscape. Ich habe wochenlang im Space Center Babylon gelebt und mir gewünscht, eine Narn zu sein, weil mir Botschafter G’Kar immer sympathischer wurde, bis ich ihn richtig sexy fand.

Vampire und Dämonen, Zauberer und Gestaltwandler müssen natürlich auch sein. Nicht diese weichgespülten Vampire von Stephenie Meyer, sondern eher die, die auch richtig böse sein können, wie Angel in der gleichnamigen Serie (David Boreanaz ist in nettem wie bösem Zustand mit ausgefahrenen Zähnen ein echter Hingucker!). Ich wünsche mir einen Besen wie Harry Potter, möchte in Smallville auf Superman treffen und auch mal mit einem Hobbit oder einem Elben eine Abenteuerreise machen. Und ich gucke und sammle noch viel mehr; wahrscheinlich wäre ich schon Millionärin, wenn ich nicht so wild auf all diese Serien und Filme wäre.

Ich habe mich schon oft gefragt, warum diese Genres für viele Menschen so wie für mich so anziehend sind. Bei mir weiß ich es jetzt: ich hätte gerne auch übermenschliche Kräfte. Fliegen können, aus dem Stand zehn Meter hoch springen, unsichtbar werden oder mit einer kleinen Handbewegung ein feindliches Raumschiff explodieren lassen, das wäre doch eine Supersache. Endlich einmal wäre ich nicht mehr eine ganz normale Person, mit der manche Leute glauben, rüde umspringen zu können. Klar wehre ich mich dagegen, aber oft ist man in der Situation einfach unterlegen und hilflos. Und dann wünsche ich mir den Zauberstab herbei…

Aber irgendwie dann vielleicht doch nicht… Denn wenn ich mir vorstelle, einer meiner Freunde könne Gedanken lesen und wüsste immer, was ich wirklich gerade denke, wird es mir schon ein wenig anders. Meine geheimsten Gedanken teile ich ja noch nicht einmal mir selber mit – wie schrecklich, wenn ein anderer Mensch sie kennen würde! Auch die Vorstellung, dass mein Chef sich unsichtbar machen kann und womöglich neben meinem Schreibtisch steht und mich heimlich überwacht, finde ich nicht sehr angenehm. Also steht schon einmal fest, dass außer mir niemand so tolle übernatürliche Fähigkeiten haben dürfte….

Aber selbst dann – umgekehrt würde es meinen Freunden wohl auch nicht gefallen, wenn sie für mich ein gläserner Mensch wären (und mir übrigens wohl auch nicht – wüsste ich alles, was andere von mir denken, wäre ich wahrscheinlich recht wütend und einsam). Eine gewisse Gleichheit der Fähigkeiten hat daher schon etwas für sich, so dass sich keiner unter- oder überlegen fühlen – und sich vor allem nicht vor unangenehmen Überraschungen fürchten muss.

Es wundert mich, wenn ich jetzt so darüber nachdenke, immer weniger, warum in früheren Zeiten Menschen, denen man übermenschliche Fähigkeiten zuschrieb, gnadenlos verfolgt wurden. Bedrohliche Überlegenheit schürt Ängste und führt zu aggressiven Reaktionen. Ich glaube, da bin ich in meinen Träumen, Serien und Büchern besser aufgehoben – in der Phantasie kann ich so toll sein, wie ich will, und muss wenigstens nicht Tag und Nacht irgendwelche fiesen Bösewichte jagen, sondern kann ihnen gemütlich vom Sofa aus dabei zusehen.

Der Farscape-Kult

Ich gebe hiermit zu, dass ich ein Fan von Farscape bin. Die Serie hat ja stark polarisiert; entweder liebt man sie oder findet sie total bescheuert. Nun, ich liebe sie und kann den Farscape-Kult nur unterstützen.

Natürlich fand auch ich es etwas befremdlich, mich in die Sesamstraße zurück versetzt zu sehen, als zum ersten Mal Rygel XVI. und der Pilot auftauchten, die wie in der Sesamstraße animierte Puppen sind – sie stammen auch von den Machern der Muppets-Show. Ist man in Science Fiction-Serien sonst beeindruckende Superhelden und perfekt animierte Aliens gewöhnt, muss man sich an die erkennbaren Puppen mit ihrer eigenartigen Gemütlichkeit in diesem Zusammenhang in der Tat erst etwas gewöhnen.

Allerdings ist das gesamte Konzept von Farscape so stimmig, dass man sich die Puppen sehr schnell als perfekte Verkörperung ihrer Figuren nicht mehr wegdenken kann. Sie überflügeln als Charaktere sogar bald John Crichton, der mir von Ben Broder etwas zu blass dargestellt wurde – das einzige Manko in der Besetzung, wie ich finde. Er war als ein Mensch, der sich durch einen Unfall auf einmal in einem fremden Raumschiff wieder fand, nicht wirklich überzeugend. Er wunderte sich über kaum etwas, konnte schon schnell irgendetwas besser als die erfahrenen anderen Raumfahrer und schien sich über sein Exil erstaunlich wenig Gedanken zu machen. Allerdings gewann die Figur im Laufe der Serie dann doch etwas an Tiefe und Überzeugungskraft.

Begeistert hat mich der stimmige Entwurf eines Universums, in dem die Peacekeeper andere Rassen als minderwertig und unterlegen ansehen und sich darum bemühen, sie zu unterwerfen und zu beherrschen. Das lebende Raumschiff Moya – ein genialer Einfall, wie ich finde, sie bekommt sogar ein Baby! – zieht mit John Crichton und seinen Gefährten durch das Universum, um die Peacekeeper zu besiegen und die Freiheit aufrecht zu erhalten. Die Beziehungen zwischen den verschiedenen Figuren werden dabei behutsam entwickelt, auch die Lovestory wird nicht überstürzt angegangen, sondern entwickelt sich ganz allmählich.

Die Entwicklung der Serie hat auch gezeigt, dass eine entschlossene Fangemeinde auch bei den großen Sendern etwas ausrichten kann. Die Kultanhänger haben weltweit empört aufgeschrien, als der Sender die Serie nach der vierten Staffel ohne ein richtiges Ende absetzte. Daraufhin wurde zumindest noch eine kurze Miniserie produziert, die der Geschichte um John Crichton und seine Mannen zu einem ordentlichen Abschluss verhilft. Doch die Fans wie ich hätten natürlich gerne noch viel mehr gesehen…

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